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Stellungnahme

Stellungnahme zum Antrag „Straßenbennenung zur Ehrung von Frau Philomena Franz“

Sehr geehrter Herr Mombauer,

mit Entsetzen und Empörung haben wir die einstimmige(!) Entscheidung des Hauptausschusses zur Kenntnis genommen, die Anregung eines Bürgers zu einer Straßenbenennung zur Ehrung von Philomena Franz, 1977 – 2002 Bürgerin Rösraths, abzulehnen.
Beklemmend ist es, das Sitzungsprotokoll zu lesen, das sich über weite Strecken wie eine Rechtfertigungsschrift liest und nicht inhaltlich Stellung bezieht. Von einer politischen Positionierung ganz zu schweigen.

Stattdessen der Rückzug auf formale Positionen: man habe sich 2019 in weitgehender Einigkeit der Fraktionen darauf verständigt, bei anstehenden Straßenbenennungen zunächst verstorbene Ehrenbürger als Namensgeber zu wählen. (Der Antrag auf Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Philomena Franz vor 19 Jahren wurde übrigens mit ähnlichen formalen Argumenten abgelehnt.) Eine kaum erträgliche Farce!

Außerdem stehe ja eine Straßenbenennung nicht an (man meint die Erleichterung zu hören). Also: man muss tot und Ehrenbürger gewesen sein, um in Rösrath einer Ehrung wert zu sein?

1500 Zwangsarbeiter wurden 1945 in Rösrath (Lager Hoffnungsthal) von amerikanischen Truppen befreit- es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen im Rösrather Lager ermordet wurden, verhungert und erfroren sind.

Philomena Franz – Nummer Z10550 – hat das Grauen von Auschwitz überlebt, hat einen großen Teil ihrer Familie in den Vernichtungslagern der Nazis verloren und dennoch nicht gehasst. Seit den 70ger Jahren hat die gläubige Christin in Schulen und bei zahlreichen Veranstaltungen als Erklärerin und Versöhnerin gewirkt, hat zudem durch ihr literarisches Werk Zeichen gesetzt.

Die Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienstkreuz am Bande), das Land Nordrhein-Westfalen (Verdienstorden des Landes) und die „Europäische Bewegung Deutschlands“ (Ehrung als eine der „Frauen Europas“) haben ihr für ihre Verdienste hohe Ehrungen zuteilwerden lassen.

75 Jahre nach Ende des barbarischen Regimes hätte der Rat der Stadt die Möglichkeit gehabt, durch die Benennung einer Straße oder eines Platzes zu Ehren von Philomena Franz (man kann Straßen auch umbenennen!) diese außergewöhnliche Frau zu würdigen und ein Zeichen für Versöhnung und gegen radikale und ausgrenzende Tendenzen in der Gesellschaft zu setzen. Es zeugt von erschreckender Geschichtsvergessenheit, hier formal zu argumentieren.

Es ist beschämend, dass keine der Rösrather Parteien offensichtlich ein Interesse hat(te), ein solches Signal zu setzen.

Wir sehen einer Antwort Ihrerseits entgegen und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

gez. Brian Wonner-Müschenborn und Bernd Heinermann
für den Vorstand und die Mitglieder der Wählergemeinschaft Zusammen Leben Rösrath e.V.

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