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Heidchenwiese – ein Versuch zur Vermittlung

Der Ton der Auseinandersetzung der verschiedenen politischen Akteure rund um das Thema Heidchenwiese wird zunehmend schärfer. Wer Zeitungsberichte im Kölner Stadtanzeiger oder die sozialen Medien zum Thema verfolgt, merkt, dass es hier schon lange nicht mehr nur um den Austausch von fachlichen Inhalten geht. Die Diskussion wird durch die Protagonisten von Forspark sowie dem Kooperationsbündnis aus CDU und Grünen zunehmend auf eine persönliche Ebene verlagert.

Bürger:innenbeteiligung wurde vernachlässigt

Ziel von ZLR ist es in dieser Situation zu vermitteln und für mehr Kompromissbereitschaft zu werben. Ja, auch aus unserer Sicht wurde viel zu lange an einem überdimensionierten Bauvorhaben der Heidchenwiese festgehalten. Wirtschaftlichkeits- und Verträglichkeitsgesichtspunkte hatten nicht den Stellenwert, den sie verdienen. Die Beteiligung von Bürger:innen war zu gering: Dies führte dazu, dass sie sich geradezu leidenschaftlich gegen die verantwortliche Politik wendeten, was auch die Wahlergebnisse der Wählergemeinschaft Forspark im letzten Jahr belegen.

ZLR ist überzeugt: Wir müssen an dieser Stelle einen Schritt zurückgehen. Wir müssen zentrale Fragen des Bauprojektes neu erörtern und beantworten, bevor es das befürchtete „weiter so“ gibt. Wir müssen eine Wirtschaftslichkeitsanalyse vornehmen, statt dieses Bauvorhaben starr gegen alle Widerstände zu realisieren. Bürger:innen müssen in ganz neuer und bisher für Rösrath unbekannter Weise in den Prozess der Gestaltung ihrer Nachbarschaft einbezogen werden. Hierfür wollen wir als ZLR einen Weg ebnen und die mittlerweile schon verfeindeten Beteiligten zurück an einen Tisch holen. Dabei möchten wir aber auch klarstellen, dass wir uns nicht grundsätzlich gegen eine maßvolle Bebauung der Heidchenwiese wenden. Sie muss aber so geplant und gestaltet werden, dass sich die betroffenen Forsbacher:innen mit ihrer Heidchenwiese auch weiterhin identifizieren können.

ZLR mit zwei Anträgen im Planungsausschuss vertreten

Vor diesem Hintergrund haben wir zwei Anträge in den Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr am 26.04.2021 eingebracht, in dem sich erstmals auch mit dem Bebauungsplan zur Heidchenwiese beschäftigt wird.

In einem ersten Schritt möchten wir von der Verwaltung wissen, ob es Probleme mit dem Bauvorhaben in punkto Erschließung (z.B. Überlastung der Hoffnungsthaler Straße) und Regenwasserversickerung gibt. Unseres Wissens wird die Lösung der oben genannten Punkte auf die Planungsphase nach der Genehmigung vertagt, was wir rechtlich für problematisch halten. ZLR möchte weiter erfahren, welcher materielle und immaterielle Gewinn für die Stadt mit diesem Projekt verbunden ist und ob sich mit der reduzierten Bebauung die ursprünglichen Ziele überhaupt noch erreichen lassen.

Wir wollen mehr zur Wirtschaftlichkeit wissen

Es kann aus unserer Sicht nach den jahrelangen Diskussionen nur zwei nachvollziehbare Argumente für ein Festhalten an den Bebauungsplänen geben:

  1. Die Stadt erzielt durch den Verkauf von Grundstücken nennenswerte Einnahmen, die man zukunftsträchtig investieren kann.
  2. Die geplante Bebauung wird ein städtebauliches Leuchtturmprojekt, das ökologisch, nachhaltig und stadtplanerisch zukunftsweisend ist.

Können Gewinne erzielt werden, sind sie dann aber aus unserer Sicht zweckgebunden einzusetzen, indem man sinnvoll und in der direkten Umgebung in Forsbach in nachhaltige Maßnahmen wie Bildung, Umweltschutz und Nachbarschaftspflege investiert.

Daher beantragen wir in einem zweiten Schritt im selben Ausschuss, dass die Verwaltung anhand der geplanten Bebauung prüfen möge, ob sich durch den Verkauf in städtischem Besitz befindlicher Grundstücke im Bereich des Bebauungsplans Heidchenwiese eine signifikante Summe für die Stadt Rösrath erwirtschaften lässt. Wenn ja, schlagen wir die Prüfung folgender Nutzungsmöglichkeiten vor:

Neu denken: Mehrgenerationenpark

  1. Der Rest der Fläche (ursprünglicher Bebauungsplan Kirchweg) soll unter umfassenden, rechtlich über lange Zeiträume bindenden Schutz gestellt werden, um eine weitere zukünftige Bebauung auszuschließen.
  2. Aus den Erlösen des Verkaufs und etwaiger weiterer Finanzquellen soll das gesamte Gebiet als naturnaher, insektenfreundlicher Park mit Kinderspielplätzen, Aktivitätsangeboten für Jugendliche (z.B. Skatepark) und Ruhezonen für ältere Mitbürger umgestaltet werden. Wir wünschen uns die Schaffung eines „Mehrgenerationenparks“ als städtebaulich wegweisendes Projekt und Treffpunkt für alle Forsbacher:innen.
  3. Die geplante Form der Bebauung soll sich an diesem Park-Konzept orientieren und in dieses integriert werden. Somit könnten in der Heidchenwiese zukunftsweisende und städtebaulich ansprechende Mehrgenerationen-Wohnkonzepte entstehen.
  4. Auf dem Gelände soll darüber hinaus – zur Entlastung der angespannten Betreuungssituation in Forsbach – eine Waldkita eingerichtet werden.

Kompromisse statt Extrempositionen

Es bietet sich mit diesem Kompromiss aus Bebauung und Parkgestaltung die Chance, die verschiedenen Positionen im Ort zu versöhnen. Befürchtungen, dass die jetzt zur Diskussion stehende verkleinerte Planung nur der Türöffner für eine zukünftige komplette Bebauung der Fläche sein könnte, würden mit der Unterschutzstellung entkräftet.

Dadurch entstünde ein zukunftsweisendes Projekt, das Forsbach städtebaulich aufwertet, indem es ein wesentliches Manko des Ortes heilt: Es gibt keine gemeinschaftlichen Treffpunkte. Bei der Gestaltung des REWE-Parkplatzes in Forsbach wurde diese Gelegenheit versäumt. Hier gibt es nun die Gelegenheit, einen wirklich zukunftsträchtigen Entwurf zu realisieren und die Wunden der Vergangenheit zu schließen.

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