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Rösrath bau schlau, oder: Was läuft schief im Städtchen Rösrath?

Rösraths soziale Infrastruktur ist nicht erst in den vergangenen Monaten an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Es fehlen 2022/23 Betreuungsplätze für den Offenen Ganztag, die GGS Hoffnungsthal führt nach massivem Druck trotz des anstehenden Umbaus mithilfe von Containerlösungen im kommenden Schuljahr den vierten Zug für die Eingangsklassen ein, die Gesamtschule Rösrath hat nach heftigen Elternprotesten den fünften Zug zähneknirschend möglich gemacht.

Wohin man schaut: Mängel und Notlösungen

Die Situation am Schulzentrum Freiherr vom Stein ist nur noch als desaströs zu bezeichnen. Der Um- und Neubau verläuft alles andere als glatt, teilweise müssen ganze Gewerke wieder abgerissen werden, da diese mangelhaft errichtet wurden. Die Baukosten gehen auf die 40 Mio. Euro zu. Dazu kommen die Folgen der Flut des letzten Jahres: Einige Kindergärten in Hoffnungsthal arbeiten nach wie vor im Notbetrieb, vielfach auch in Containern. Die Liste der Mängel und Notlösungen in Rösrath und die zahlreichen Löcher, die provisorisch gestopft werden, ließe sich endlos fortführen.  

Wir schauen uns die Bauplanungen genauer an

Exemplarisch hat die Fraktion ZLR am Beispiel der Planung für das OSMAB-Projekt am ehemaligen Haus Hack versucht, die drohenden Folgewirkungen einer investorenfreundlichen Planung abzufedern und mit einem Antrag[1] eine sozial und strukturell bessere Lösung vorzuschlagen, mindestens jedoch in die Wege zu leiten.

Grundlegendes Ziel unseres Antrages war es, einen klugen, vorhabengebundenen, transparenten städtebaulichen Entwicklungsplan mit dem Investor zu vereinbaren. 

Innovative Ideen finden kein Interesse bei der Rösrather Politik

Ergebnis unserer Initiative im Planungsausschuss vom 30.05.2022: Alle Vertreterinnen und Vertreter der anwesenden Fraktionen mit Ausnahme unserer eigenen Fraktion lehnten den Antrag ab. Von Seiten der CDU war sogar zu hören, mit dem Antrag würde man Gewinne beim Investor abschöpfen.

Wenn man bedenkt, dass im Ausschuss Stadtentwicklung, Planung und Verkehr die Weichen für die künftige Entwicklung der Stadt gestellt werden, kann man nur erschrecken, dass unsere Anliegen auf inhaltlicher Ebene nicht diskutiert (oder verstanden???) wurden. Das ist umso besorgniserregender, als deutlich wird, dass es schwierig ist, in Rösrath Mehrheiten für eine zukunftstaugliche Stadtentwicklung zu finden. Was meinen wir damit?

Bei großen Bauvorhaben müssen Auswirkungen auf Infrastruktur berücksichtigt werden

Unser Anliegen ist, bei jeder Planung auch ihre Folgen für die Infrastruktur mitzudenken – also: wie wirkt sich das aus auf: Kitas, Schulen, Verkehr, Einzelhandel, soziale Struktur, Stadtbild usw. usf. Ein Blick auf das große Ganze unterlegt mit der Frage, wohin sich Rösrath eigentlich entwickeln soll.

Unser Fazit: Wir bleiben dran, wir wollen alle Mittel ausschöpfen und Bürgerinnen und Bürger aktivieren, um für unsere Stadt lebenswerte Flächen zu erhalten. Wir müssen aber auch feststellen, dass wir entgegen vieler anderer Gemeinden erst am Anfang stehen. So jedenfalls geht es nicht weiter.

Wir fordern weiterhin: Rösrath bau schlau! 

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[1] Wir wollten im Rahmen des Planungsausschusses am 30.05.2022 erreichen, dass mit dem Investor OSMAB ein sog. städtebaulicher Vertrag geschlossen wird. Wir halten es für erforderlich, dass sich Investoren deutlich stärker an den Kosten der sozialen Infrastruktur beteiligen. Im speziellen hatten wir beantragt, eine Kostenbeteiligung für die Errichtung einer Kindertagesstätte zur Betreuung von 25 Kindern im Vorschulalter (Ü3) zu vereinbaren.  

Folgende weitere Festsetzung sollten in den Bebauungsplan aufgenommen werden:   

  • In einem Teilbereich der Bebauung sollten nur Gebäude für 19 öffentlich geförderte  Wohnungen errichtet werden. 
  • Die Flächen entlang der Kölner Straße sollten als Urbane Gebiete festgesetzt werden, um eine attraktive und abwechslungsreichere Bebauung zu ermöglichen. 
  • Flachdächer der Gebäude sollten mit Photovoltaik-Anlagen ausgerüstet werden. 
  • In der Tiefgarage sollte je Wohneinheit nur 1 Stellplatz errichtet werden, um die Flächenversiegelung so gering wie möglich zu halten. Mindestens 10 % der Stellplätze der Tiefgarage sollten mit elektrischer Ladeinfrastruktur ausgerüstet werden. 
  • Für 10 % der Fahrradstellplätze sollten ebenfalls Lademöglichkeiten vorgesehen werden. 
  • Die Spielplatzfläche sollte auf 250 qm vergrößert und inklusive Zuweg als öffentliche Grünfläche festgesetzt werden. 

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