Kategorien
Impulse

Verkehrsplanung: Eine kleine Revolution bahnt sich an

Die Forschungsgemeinschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) hat eine Reihe von Empfehlungen veröffentlicht. Man kann diese als kleine Revolution bezeichnen.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Forschungsgemeinschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) zu Beginn dieses Monats eine Reihe von Empfehlungen veröffentlicht. Die FGSV ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Köln, der das technische Regelwerk für das Verkehrswesen erarbeitet.

Mit Blick auf die Erreichung der Klimaziele des Verkehrssektors hat die FGSV eine Reihe von Steckbriefen mit dem Titel „E Klima 2022“ erarbeitet. Diese befassen sich mit unterschiedlichen Themen zu verschiedenen Verkehrsanlagen, z.B. zur Bemessung von Straßen, Richtlinien für Anlage von Stadtstraßen, zum Öffentlichen Personennahverkehr, zu Park & Ride, sowie zu Fuß- und Radverkehrsanlagen.

Die Steckbriefe haben es in sich

Der Inhalt der Steckbriefe – das lässt sich ohne Übertreibung konstatieren – markiert einen klaren Paradigmenwechsel der traditionell stark an den Belangen des Autoverkehrs orientierten Planer.

Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen

Einige ausgewählte Passagen aus Seite 15 zu den „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“:

  • Die Belange des ÖV, Rad- und Fußverkehrs sind generell gegenüber den Belangen des fließenden und ruhenden Kfz-Verkehrs zu priorisieren.*
  • Zur Erreichung von Klimaschutzzielen sollen für den Rad- und Fußverkehr durchgehend regelkonforme und möglichst attraktive Netze mit der zugehörigen Anbindung an Infrastruktur und Kultureinrichtungen, Wohnen und Gewerbe angeboten werden.
  • Um objektive und subjektive Sicherheit und damit eine gesteigerte Nutzung von Rad- und Fußverkehrsanlagen zu gewährleisten, sind ausreichend breite Anlagen zur Verfügung zu stellen. Die in den RASt 06 angegebenen Regelmaße für Gehwege und Radverkehrsführungen sind als Mindestwerte anzusehen und diese Anlagen sind möglichst breiter zu wählen. Die in den RASt 06 angegebenen Klammerwerte für Radverkehrsanlagen sind nicht mehr anzuwenden.
  • In beengten Situationen und bei Flächenkonflikten sind auch einzelne Abschnitte (Orientierungslänge 50 bis 150 m) mit reduzierter Fahrbahnbreite zu bilden, um eine durchgehend regelkonforme und möglichst attraktive Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr anbieten zu können und um Geschwindigkeiten in Stadtstraßen zu reduzieren.
  • Für den Fuß- und Radverkehr sind vermehrt Überquerungshilfen anzubieten.
  • Die Anlage von Parkständen im Straßenraum, die nicht für Menschen mit schwerer Gehbehinderung und Rollstuhlnutzende notwendig sind, soll möglichst geringgehalten werden, um Flächen für Grünbereiche, für die Retention und/oder dezentrale Entwässerung mit Versickerung und/oder für andere umweltfreundliche Modi zu gewinnen und ein Aufheizen von Straßenräumen zu verringern.

* Anmerkung: In unserem Kommunalwahlkampf haben wir „Gleichberechtigung – sichere Wege für alle“ gefordert. Hier gehen die Empfehlungen der Verkehrsplaner noch darüber hinaus und sprechen gar von einer Priorisierung!

Empfehlungen zum Fußverkehr

Zum Fußverkehr finden sich auf Seite 31 unter anderem folgende bemerkenswerten Empfehlungen:

Einflussmöglichkeiten zur Reduzierung der THG-Emissionen und des Energieverbrauchs

  • Mit Hilfe der Planungs- und Entwurfsgrundlagen kann die zukünftige Angebotsqualität im Fußverkehr optimiert werden.
  • Durch die Anwendung der Empfehlungen wird der Fußverkehr als eigenständige Verkehrsart aufgewertet.
  • Eine Erhöhung des Anteils des Fußverkehrs und der kurzen Wege reduziert die THG-Emissionen.

Ergänzende Anforderungen an die Anwendung der Empfehlungen zur Erreichung von Klimaschutzzielen

  • Durchgehende, attraktive Netze,
  • Grün im Straßenraum,
  • Aufenthaltsflächen,
  • durchgehend barrierefreie Verkehrsanlagen,
  • Mindestbreiten nicht unterschreiten,
  • ausreichende und gut einsehbare Überquerungsanlagen,
  • Sitzmöglichkeiten,
  • Ausstattungen

Kongress der Verkehrsplaner in Dortmund

Die neuen Empfehlungen wurden Anfang Oktober auf dem Straßen- und Verkehrskongress in Dortmund dem Fachpublikum offiziell vorgestellt und diskutiert.

Das Handelsblatt titelte dazu passend:

„Müssen den Straßenraum umbauen“: Das Auto ist nicht länger das Maß aller Dinge
Grüne Welle für Radfahrer, Lastenradrouten, Platz für Bäume und Wasserspeicher in der Stadt: Verkehrsplaner wollen den Straßenraum neu verteilen.

In dem Artikel wird auch der hohe Zeitdruck betont:

Weil die Zeit drängt, will die Forschungsgesellschaft zunächst „Korrekturblätter“ veröffentlichen. Dies ermöglicht Änderungen, später soll das klimagerechte Regelwerk folgen. „Wir müssen den Straßenraum umbauen, nicht in 30 Jahren, sondern jetzt“, mahnt Gerlach. Autofahrer müssten im Zweifel vom Parkplatz bis ans Ziel „auch mal zehn Minuten laufen“.

Wir sehen uns bestätigt und bleiben am Ball

Durch diese Entwicklungen sehen wir uns mit unseren Forderungen zur Neuorientierung der Verkehrsplanung in Rösrath und zur Umgestaltung des öffentlichen Raums bestätigt.

Zusammen Leben Rösrath wird den weiteren Umsetzungsprozess aufmerksam verfolgen. Wir werden außerdem bei anstehenden Planungen in Rösrath darauf drängen, die Empfehlungen der FGSV konsequent zu berücksichtigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert