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Fahrrad und Rösrath? Viel Luft nach oben!

Die gerade vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) veröffentlichten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2020 für Rösrath haben uns nur wenig überrascht. Unter den Städten und Gemeinden zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern belegt Rösrath den bescheidenen Rang 314 von insgesamt 408 Orten. Das heißt: 75% aller Kommunen mit vergleichbarer Größe haben besser abgeschnitten, wobei dort sicher auch in seltensten Fällen „holländische Verhältnisse“ in puncto Fahrradfreundlichkeit herrschen dürften.

Hintergrund: Was ist der Fahrradklima-Test?

Der Fahrradklima-Test des ADFC ist nach eigenen Angaben eine der weltweit größten Befragungen zur Fahrradfreundlichkeit. Im Jahr 2020 wurde diese Befragung bereits zum neunten Mal durchgeführt. Beteiligt haben sich daran 230.000 Personen aus 1000 Kommunen. Das Ziel des Tests beschreibt der ADFC folgendermaßen: „Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests ermöglichen Städten und Gemeinden eine Standortbestimmung zu ihrer Fahrradfreundlichkeit. Identifizierte Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen Orten können für gezielte Maßnahmen und Programme genutzt werden. Für Kommunen haben sich die Ergebnisse als Orientierungshilfe bewährt.“

Den Teilnehmern wurden dabei 27 Fragen gestellt, z.B. nach ihrem Spaß- oder Stressgefühl beim Radfahren, der Qualität und Reinigung der Radwege, der Falschparkerkontrolle, sowie nach Hindernissen und Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern.

Einige wichtige Ergebnisse für Rösrath

Aus Rösrath haben insgesamt 94 Personen an der ADFC-Umfrage teilgenommen. Eine Auflistung aller Daten findet sich beim ADFC zum Herunterladen. Die Ergebnisse verdienen sicherlich eine detaillierte Betrachtung, die den Rahmen einer ersten Einschätzung übersteigt. Dennoch möchten wir hier punktuell einige Erkenntnisse herausgreifen:

  • Um die 80% bewegten sich negative Bewertungen zum allgemeinen Sicherheitsgefühl, zu Konflikten mit Kfz, Hindernissen auf Radwegen durch Kfz, sowie Fahren auf Radwegen durch Autos. Das bisherige Primat des Autoverkehrs wurde durch die Radfahrer*innen also eindrucksvoll gespiegelt.
  • Noch eklatanter waren die negativen Einschätzungen zur Breite von Radwegen (94% negativ), deren Oberflächenqualität (84%) und die Führung an Baustellen (85%).
  • Einige wenige kleinere Lichtblicke gab es ebenfalls: Knapp überwiegend positive Wertungen verteilten die Befragten für die prinzipelle Erreichbarkeit der Stadtzentren (54%), die Zügigkeit des Radfahrens (65%), sowie die Verfügbarkeit öffentlicher Fahrräder (52%).

Diese Lichtblicke können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Verkehrpolitik im Hinblick auf nachhaltige Mobilität als eine der zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre begriffen werden muss.

Der Blick über die Stadtgrenze ernüchtert ebenso

Für Fahrradpendler nach Köln ist der Blick auf die Ergebnisse der Domstadt ebenfalls interessant: Leider hat Köln im Fahrradklima-Test 2020 als Schlusslicht aller Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern abgeschnitten.

Dass politischer Wille tatsächlich etwas bewirken kann, zeigt die Stadt Wiesbaden. Vor nicht langer Zeit noch auf dem vorletzten Rang 25 der Städte zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern, kletterte die Stadt innerhalb weniger Jahre auf einen respektablen siebten Platz. Unter dem grünen Verkehrsdezernenten Andreas Kowol wurden zahlreiche fahrradfreundliche Maßnahmen initiiert, die nun sichtbar von Erfolg gekrönt wurden.

Die Zeit ist reif für einen echten Mobilitätswandel

Das aktuelle Ergebnis des Fahrradklima-Tests bietet auch etwas Tröstliches: Eigentlich kann es in Rösrath nur besser werden.

Auf Basis der Befragung sollten die verschiedenen Bewertungsdimensionen im Detail analysiert und messbare Ziele für die künftige Entwicklung definiert werden. Dies muss selbstverständlich unter Berücksichtigung anderer zukunftsrelevanter Themen – Stichwort „nachhaltige Kommune“ – stattfinden.

Mit unserem Verkehrsschwerpunkt im Kommunalwahlkampf (Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer, Tempo 30 in den Zentren, Umleitung unnötigen Schwerlastverkehrs) glauben wir, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Kleine Verbesserungen wie neue Fahrradständer sind immer willkommen, aber: Nun gilt es auch die großen Themen anzugehen.

Von unserer neuen Bürgermeisterin erhoffen wir uns hier konsequentes Handeln. ZLR bietet an, den Prozess hin zu einer fahradfreundlichen Stadt Rösrath aktiv zu unterstützen.

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