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Glasfaserausbau in Rösrath

In den Ausbau des Glasfasernetzes in Rösrath ist Schwung gekommen. Doch es besteht aufgrund der Vielzahl der Anbieter und deren unterschiedlicher Vorgehensweisen Verunsicherung bei Bürger:innen. Wir möchten mit diesem Beitrag ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, damit unsere Gemeinde einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft gehen kann.

Was heißt eigentlich Glasfaserausbau?

Meist besteht das Kabel für Telefon und Internet, das ins Haus führt, noch aus Kupfer. Die Glasfaser-Leitung führt von der Vermittlungsstelle bis zum Verteilerkasten. Vom Verteilerkasten geht es per Kupferleitung weiter bis ins Haus und macht eine Geschwindigkeit von bis zu 250 MBit/s möglich (VDSL (Super-)Vectoring). Mit Glasfaser gelangt die schnelle Internet-Verbindung direkt von der Vermittlungsstelle bis ins eigene Zuhause und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 1.000 MBit/s. Im Zuge des Breitbandausbaus tauscht der Anbieter die Kupferkabel aus, die von der Vermittlungsstelle zum Verteilerkasten laufen, und ersetzt sie durch Glasfaserkabel. Das Glasfaserkabel wird also näher an den Kunden herangeführt (Quelle: Deutsche Telekom).

Wie schnell sind die Kupferkabel heute noch?

250 MBit/s mögen mit den heutigen Internetangeboten und Technologien vollkommen ausreichend sein. Allerdings muss man beachten, dass 250 MBit/s die Grenze im Download ist, die man mit Kupferkabel bedienen kann. In ein paar Jahren dürften die 250 MBit/s vergleichsweise langsam sein, um die dann aktuellen Internetangebote (bspw. Streaming von Filmen, Videospielen) auch gleichzeitig in Familien zu nutzen. Die maximale Geschwindigkeit bei kupferbasiertem DSL im Upload liegt bei etwa 40 MBit/s, ist also um ein Sechsfaches geringer als im Download. Was hilft es, wenn man zwar relativ schnell die Videostreams der anderen sehen kann, aber der eigene Upstream deutlich hinterher hinkt? Glasfaser bietet hingegen eine identische Geschwindigkeit in beide Richtungen.

Zudem nimmt die Bedeutung von Homeoffice immer weiter zu. Um dieses effektiv auch in der Zukunft zu nutzen (z.B. für Videotelefonie und VPN-Verbindungen), braucht es in absehbarer Zeit mehr als das, was man an Bandbreite über Kupferkabel erreichen kann. Auch für Unternehmen in Rösrath kann Glasfaser ein Kriterium für eine Ansiedlung sein.

Stadt Rösrath setzt auf privatwirtschaftlichen Ausbau

Jedes Unternehmen kann in unserer Gemeinde Glasfaser eigenverantwortlich und auf eigene Kosten legen (sogenannter privatwirtschaftlicher Ausbau). Hierzu bedarf es keiner Zustimmung oder eines Beschlusses von Stadt oder Politik. Die Stadt selber setzt weitestgehend auf diesen privatwirtschaftlichen Ausbau des Glasfasernetzes in Rösrath. Ein eigenverantwortlicher Ausbau durch die Stadt Rösrath wurde bisher nicht verfolgt, da mit der Beantragung von Fördermitteln bei der Stadt hohe personelle Ressourcen bereitgestellt werden müssten. Beim privatwirtschaftlichen Ausbau prüfen diverse Unternehmen (novanetz, Deutsche Glasfaser, Deutsche Telekom) unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten, in welchen Gebieten es sich lohnen könnte, Glasfaser zu verlegen. Novanetz und Deutsche Glasfaser setzen hierbei auf sogenannte Vorvermarktungen. In der Vorvermarktungphase müssen sich möglichst viele Privathaushalte bereits im Vorfeld verbindlich für das Netz des Anbieters anmelden. Ist die Durchdringung erreicht (z.B. 33% oder 40%), wird das Glasfasernetz in dem Stadtteil gebaut. Reicht die Durchdringung nicht aus, prüft das Unternehmen, ob es sich lohnt, nur bestimmte Bereiche in dem besagten Gebiet auszubauen, d.h. nur wenige Haushalte anzuschließen (z.B. in Straßenzügen mit dichter Bebauung und hohem Interesse).

Das Graue-Flecken-Förderprogramm des Bundes

Die Deutsche Telekom verzichtet grundsätzlich auf eine Vorvermarktung. Sie baut das Netz in Rösrath nur dort aus, wo sie es für wirtschaftlich sinnvoll hält. Aktuell ist dies in Rösrath-Mitte der Fall. Zusätzlich versucht dann die Stadt Rösrath die verbliebenen sog. „grauen Flecken“ mit Fördermitteln ans Glasfasernetz anzuschließen (z.B. Bleifeld). Digitalpolitisches Kernziel der Bundesregierung ist es, ein modernes Highspeed-Netz für alle Haushalte, Unternehmen, Schulen und Krankenhäuser in Deutschland zu schaffen. In Gebieten, in denen kein privatwirtschaftlicher Ausbau stattfindet, unterstützt die Bundesregierung mit dem Graue-Flecken-Förderprogramm:

Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Wie die Vorhaben der Stadt bzgl. des Glasfaserausbaus sind, kann man auf der Internetseite der Stadt nachlesen.

Stadt kann Breitbandausbau auch selbst ausschreiben

Alternativ könnte die Stadt Rösrath den Breitbandausbau als Auftraggeber komplett selbst in die Hand nehmen. Wegen der engen Personaldecke hat man sich allerdings dagegen entschieden, ein entsprechendes Vergabeverfahren einzuleiten. Ein Komplettausbau Rösraths mit FTTB (Fiber To The Building) würde schätzungsweise knapp 57 Mio. EUR betragen. Es bestünden aber diverse Fördermöglichkeiten von Bund und Land, die für einzelne Projekte insgesamt bis zu 300 Mio. EUR betragen könnten. Nach der neuen Förderrichtlinie ab dem 01.01.2023 sind alle Gebiete förderfähig, in denen das vorhandene Netz eine Datenrate von weniger als 200 Mbit/s zuverlässig zur Verfügung stellt (s.o.).

Wie sieht es aktuell in Rösrath aus?

Wie bereits erwähnt, baut die Deutsche Telekom mit ihrem Tochterunternehmen Glasfaser Plus ohne Vorvermarktung in Rösrath-Mitte aus. Kunden können sich nach dem Ausbau entscheiden, ob sie das Netz nutzen wollen.

Es gibt aktuell Vorvermarktungen in den Stadtteilen Hoffnungsthal und Oberlüghausen (Deutsche Glasfaser). Die Vorvermarktung der Fa. novanetz in Kleineichen wurde verlängert, da die erforderlichen 40% der Haushalte bisher nicht als Kunden gewonnen werden konnten. Die Deutsche Glasfaser liegt noch deutlich hinter dem anvisierten Ziel von 33% – allerdings läuft die Vorvermarktung noch bis Mitte Dezember weiter.

Die Vorvermarktung der Fa. novanetz in Forsbach ist ebenfalls gestartet. Die Interessenbekundung von Haushalten kann auf der Internetseite von novanetz erfolgen. Ein Vorvertrag wird im Rahmen der Interessenbekundung nicht geschlossen. Über die Tarife von Nnovanetz kann man hier informieren.

Wenn diese Vorvermarktungen scheitern, dann steht zu befürchten, dass sich der Glasfaserausbau in den genannten Stadtteilen weiter verzögert. Man muss dann darauf setzen, dass die Stadt selbst über Förderprogramme (s.o.) ab 2023 den Ausbau trotz enger personeller Ressourcen vorantreibt. Gebiete, die gut versorgt sind (z.B. Lehmbach, VDSL bis 250 MBit/s), wären wahrscheinlich nicht förderfähig.

Die Vorvermarktung der Deutschen Glasfaser

Wir nehmen an dieser Stelle die Deutsche Glasfaser (DG) genauer unter die Lupe, die eine Vorvermarktung in Hoffnungsthal und Oberlüghausen vornimmt. Im Rahmen dieser Vorvermarktung können Kunden sog. Vorverträge mit dem Anbieter schließen, die unter dem Vorbehalt stehen, dass die DG die angezielte Quote von 33% erreicht. Die Verträge entfalten erst dann Rechtskraft, wenn die Vorvermarktung erfolgreich abgeschlossen wurde. Scheitert die Vorvermarktung, fallen auch keine Kosten für die Haushalte an, die Vorverträge bleiben wirkungslos. Die Mindestvertragslaufzeit von 24 Montaten beginnt mit Schaltung des Hausanschlusses durch die DG zu laufen. Alle Tarife der DG können für die ersten 12 Monate für den Monatspreis von 24,99 EUR abgeschlossen werden. Nach 12 Monaten hat man eine Wechselmöglichkeit, muss mindestens jedoch 44,99 EUR monatlich für eine Geschwindigkeit von 300 MBit/s ausgeben. Die Höchstgeschwindigkeit von mind. 750 und max. 1.000 MBit/s kostet den Kunden ab dem 13. Monat 89,99 EUR. Eine Tarifübersicht kann im Internet abgerufen werden.

Deutsche Glasfaser baut seine Netze nach dem sogenannten Open Access Prinzip (Offener Zugang). Dieses besagt, dass das Netz auf Basis von Kooperationen auch anderen Anbietern zur Verfügung gestellt werden kann. Erste derartige Verträge bestehen bereits. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass man später die Auswahl von mehreren Internet Providern im Netz der DG (und anderen Glasfaser-Anbietern) haben wird.

Wer sich im Rahmen der Vorvermarktung für einen Tarif der DG entscheidet, spart zudem die Baukosten für den Hausanschluss von 750 EUR, die von der DG getragen werden.

Man kann es doch mal versuchen

Eine Empfehlung können und möchten wir nicht abgeben, da eine Entscheidung von individuellen Faktoren abhängt. Fakt ist, dass sich nahezu alle Hoffnungsthaler ZLRler im Rahmen der Vorvermarktung bei der Deutschen Glasfaser angemeldet haben. Frei nach dem Motto: Man kann es doch mal versuchen.

Sicherlich hätten wir es bevorzugt, wenn die Stadt selbst den Ausbau über Förderprogramme in Eigenregie vorangetrieben hätte (s.o.). Da es aber den Vorrang des privatwirtschaftlichen Ausbaus bei den Förderprogrammen gibt, ist die Entscheidung der Stadt zumindest nachvollziehbar. So droht leider ein Glasfaserflickenteppich unterschiedlicher Netze und Anbieter in unserer Stadt. Ideal ist das nicht, aber zumindest können wir einen (kleinen) Schritt in Richtung Zukunft gehen. Unstreitig dürfte nämlich sein, dass nur mit einem flächendeckenden Glasfasernetz Deutschland den Status eines digitalen Entwicklungslandes verlieren kann.

5 Antworten auf „Glasfaserausbau in Rösrath“

Danke für diese Ergänzung, Tim. Wir haben auch davon gehört, dass Fristen für die Vorvermarktung oft verlängert werden. Insofern ist es gut möglich, dass es in Hoffnungsthal weitergeht, selbst wenn zum Stichtag 12.12.2022 noch nicht 40% erreicht sein sollten.

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