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Hochwasser: Stand der Erkenntnisse (Update vom 19.09.2021)

Rund um die Ereignisse vor und nach dem Hochwasser des Julis haben (nicht nur wir) feststellen müssen, dass es zahlreiche Fragen gibt, die bislang nicht oder nur unzureichend beantwortet wurden. Ebenso kursieren eine Reihe von Gerüchten, deren Wahrheitsgehalt nicht ohne weiteres nachzuprüfen ist.

Diese Seite soll dazu dienen, die oft gestellten Fragen aufzulisten und den aktuellen Stand der Erkenntnisse wiederzugeben. Für eine bessere Übersicht gliedern wir diese in vier Fragenblöcke.

Diese Seite wird kontinuierlich aktualisiert, sobald uns neue Erkenntnisse vorliegen. Sollten wir bei bestimmten Antworten falsch liegen oder unpräzise sein, bitten wir um Rückmeldung in den Kommentaren zu diesem Beitrag (bitte mit Quellenangabe, damit wir es überprüfen können). Auch neue Fragen können uns per Kommentarfunktion mitgeteilt werden.

Teil 1: Rekonstruktion der Ereignisse am 14. und 15. Juli

Zeitliche Abfolge: Was passierte in den politischen Gremien und den entsprechenden Institutionen des Hochwasserschutzes?

Der Krisenstab der Stadt Rösrath trat nach Darstellung des Fachbereichsleiters Herrmann bereits am 14.07. ab ca. 14 Uhr zusammen.

Folgende Informationen zum weiteren Verlauf liegen derzeit vor (Quelle: Zukunftsausschuss der Stadt Rösrath vom 25.08.2021, KStA vom 27.08.2021):

  • Um 15 habe die Feuerwehr einen Meldekopf gebildet.
  • Um 16 Uhr sei der Krisenstab der Stadt aufgestockt worden.
  • Um 17.30 Uhr wurde nach einem Hangrutsch die erste Straße gesperrt.
  • Um 18.20 Uhr sei der Campingplatz geräumt worden.
  • Um 19.30 Uhr habe die Feuerwehr Lautsprecherdurchsagen gemacht.
  • Um 20 Uhr habe der Kreis den Sirenenalarm abgelehnt (s.u.).
  • Später in der Nacht wurde das Wöllnerstift evakuiert.
  • Am Morgen stand das Rathaus unter Wasser.

Nach Darstellungen der Verwaltung aus dem Zukunftsausschuss der Stadt Rösrath vom 25.08.2021 wurde der Krisenstab des Rheinisch-Bergischen Kreises erst am 15.07. ab 11 Uhr eingerichtet.

Welche Niederschlagsmengen hat es gegeben?

Die Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021 zeigt Niederschlagsmengen einzelner Regionen in NRW auf (Quelle: Lagebericht der Koordinierungsgruppe des Krisenstabes der Landesregierung Nordrhein-Westfalen (Auszug). Stand der Datenerhebung: 20.07.2021 (Hinweis: eine Änderung der festzustellenden Niederschlagsmengen aufgrund der Auswertung weiterer Daten ist möglich):

Auffällig ist, dass in anderen Kreisen / Kommunen bei den mittleren, aber auch den maximalen Werten zum Teil deutlich stärkere Niederschläge verzeichnet wurden. Diese Information sollte bei der weiteren Aufarbeitung berücksichtig werden (Frage: Sind sogar noch stärkere Starkregenereignisse in Rösrath möglich?).

Wie war der Pegelstand der Sülz?

Quelle: Lebenswertes Sülztal e.V. (http://verein.lebenswertes-suelztal.de/)

Der Verein Lebenswertes Sülztal weist darauf hin, dass ab Mitternacht der Pegel die Marke von 400 cm überschritt und bei 401,30 cm stehen blieb. Dies sei ein Indiz dafür, dass die Dammkrone überflutet war (Quelle: Verein Lebenswertes Sülztal).

Warum wurde die allgemeine Bevölkerung nicht gewarnt?

Der Kreisbrandmeister teilte mit, dass man bewusst auf das Auslösen der Sirenen verzichtet habe, da Menschen durch die Sirenen beunruhigt worden wären, aber keine weiteren Handlungsanweisungen durch die Medien erhalten hätten. Zudem hätte die voll besetzte Leitstelle über Stunden nicht so viele Anrufe entgegen nehmen können (Quelle: Tag24).

Im Ausschuss für Gesundheit, Rettungswesen und Verbraucherschutz im Rheinisch-Bergischen Kreis bestätigte der Kreisbrandmeister Herr Weiden, dass der Leiter der Rösrather Feuerwehr um Auslösung der Katastrophenschutzsirenen bat. Der Kreisbrandmeister riet zu diesem Zeitpunkt von einer Auslösung ab, da das Notrufaufkommen exorbitant hoch war. 1/3 der Notrufe konnten nicht beantwortet werden. Zudem habe der WDR in seinen Programmen nicht vor der Flut gewarnt, sodass bei dem Auslösen des Sirenenalarms mit einem noch erheblich größeren Auskommen an Notrufen zu rechnen gewesen sei. Aufgrund dessen einigte man sich laut Herrn Weiden darauf, zum Schutze der Bevölkerung, um eine noch weitere Überlastung der Notrufleitungen zu verhindern, auf ein Auslösen zu verzichten. Zu einem späteren Zeitpunkt habe es ein weiteres Telefonat zwischen dem Leiter der Feuerwehr Rösrath und dem Kreisbrandmeister gegeben, in dem es jedoch nicht ausdrücklich um ein Auslösen gegangen sein. Es habe nur die Frage gegebenen, ob das Notrufaufkommen weiterhin hoch sei. Dies sei vom Kreisbrandmeister bejaht worden sein. Eine erneute Anfrage Sirenenalarm auszulösen, habe es aber nicht gegeben, weswegen keine Aufforderung erfolgt sei die Sirenen auszulösen (Quelle: Facebook-Eintrag der CDU Rösrath vom 01.09.2021).

Wer hat diese Entscheidung getroffen?

Die Entscheidung über die Auslösung der Sirenen in Rösrath liegt beim Rheinisch-Bergischen Kreis. Laut Medien war für die Entscheidung u.a. der Kreisbrandmeister zuständig (s.o.).

Lese hierzu auch: KStA vom 03.09.2021 – Rhein-Bergs Kreisbrandmeister verteidigt Entscheidung gegen Sirenen-Alarm

Welche Warnmeldungen an einzelne Einrichtungen gingen zu welchem Zeitpunkt heraus?

Im Rahmen des Zukunftsausschusses der Stadt Rösrath am 25.08.2021 wurde berichtet, dass zweimal von Seiten der Verwaltung in Rösrath beim RBK angefragt wurde, ob Alarm ausgelöst werden solle. Dem wurde von Seiten des RBK nicht entsprochen (s.o.).

Gab es eine „Welle“?

In einer Veranstaltung der Bewohner des Leibnizparks am 22.08.2021 hat die Bürgermeisterin der Stadt Rösrath, Frau Schulze, Aussagen der Bewohner widersprochen, dass es eine Welle gegeben habe. Nach Einschätzung von Frau Schulze sei das Wasser stetig angestiegen. Dieser Darstellung wird von Augenzeugen bzw. Anwohnern widersprochen, die von einem sehr plötzlichen Ansteigen des Wassers am späteren Abend berichtet haben.

Der Verein Lebenswertes Sülztal hat im Rahmen der Hochwasser-Tagung am 12.09. mitgeteilt, dass die Überlastung der Sülzüberleitung (Auslauf Vorsperre Große Dhünn) sowie verlegter Bäche die beobachtete Hochwasserwelle(n) begründen könnten.

Welche Rolle spielten Staustufen, Kanalisation und Klärwerke an diesem Tag?

Folgende Fakten nannte der Verein Lebenswertes Sülztal anlässlich der Hochwasser-Tagung am 12.09.2021:

  • Rekordwerte der Pegelstände in Hommerich u. Hoffnungsthal.
  • Großflächige „Deich“-Überflutungen“ ab ca. 22 Uhr in Hoffnungsthal, mit entsprechenden Schäden an Gebäuden.
  • Enorme Wassermengen über kleinere Zuflüsse aus den Bergen (z.B. Brunsbach-Knipperbach), durch Verklausung zusätzliche Rückstauungen und Überflutungen.
  • Die Sülzüberleitung war voll funktionsfähig bis max. 25 m³/s – für Extremwetterlagen aber „überfordert“.
  • Kanalisation war vorübergehend regional überlastet. Von 55 Pumpwerken (mit Notstromversorgung) waren 6 (vorübergehend) vom (Strom-) Ausfall betroffen.
  • Beide Klärwerke hatten vorübergehende Strom- / Pumpenausfälle, aber kein Überlauf von Fäkalien.

Warum wurde die Hochwassergefahr bei der Modernisierung des Freibads nicht berücksichtigt?

Bis zum Hochwasserereignis im Juli lagen keine Erkenntnisse vor, dass das Freibad, aber auch die Sportanlage Bergsegen durch Starkregen überschwemmt werden könnten. Beide Anlagen liegen nicht in sog. Hochwassergebieten, waren also nicht auf Hochwassergefahren- oder Hochwasserrisikokarten als Risikogebiete aufgeführt (Quelle: Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten des Umweltministeriums NRW).

In Folge des Klimawandels kommt es immer häufiger zu Starkregenereignissen, anhaltenden Hitzeperioden oder Dürren. Um künftig besser vorbereitet zu sein und entsprechend reagieren zu können, hatte sich der RBK im Jahr 2018 dafür entschieden, Fördermittel für die Erstellung eines Klima-Vorsorge-Konzeptes bei der Nationalen Klimaschutzinitiative zu beantragen. Das Konzept soll die klimawandelbedingten Konsequenzen, wie etwa Starkregen, urbane Sturmfluten, Hitze und Dürre ganzheitlich betrachten und Gefahrenpotenziale aufzeigen. In einem ersten Schritt wurde zunächst eine Starkregenkarte erstellt (siehe unten, Teil 3). Auch anhand dieser Karten sollte es künftig für Kommunen im RBK leichter sein, bei Planungen oder Modernisierungen auch besondere Gefahren durch Starkregen zu berücksichtigen.


Teil 2: Hilfe für Betroffene

Welche kurzfristigen Hilfsangebote gibt es?

Die Stadt Rösrath hat 963 Soforthilfeanträge von Privatpersonen bewilligen können und einen Betrag von 2.046.500 € an die Antragsteller ausgezahlt (Quelle: Homepage der Stadt Rösrath).

Auf dem Spendenkonto der Stadtverwaltung sind bis zum 26.08.2021 knapp 220.000€ an Spenden von Privatpersonen, Institutionen oder Benefiz-Veranstaltungen in Höhe zwischen 5 und 15.000 € eingegangen (Quelle: Zukunftsausschuss vom 25.08.2021).

Spendenkonto: KSK Köln, IBAN DE76 3705 0299 0327 0001 10, BIC COKSDE33, Verwendungszweck: Hochwasser 2021.

Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle Rösrather Mieter, Eigentümer oder Vermieter von Wohnraum, die einen beträchtlichen Schaden durch das Unwetter vom 14./15.07.2021 erlitten haben. Nicht antragsberechtigt sind Personen, deren Schaden ganz oder im Wesentlichen durch eine Versicherungsleistung ausgeglichen wird.

Die Spendengelder sollen primär an diejenigen Bedürftigen ausgezahlt werden, die keine Soforthilfe des Landes erhalten haben.Ein Teil der Spendengelder ist für diejenigen Geschädigten gedacht, die zwar ggf. eine Soforthilfe des Landes oder andere staatliche Leistungen erhalten haben, diese Mittel aber aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation nicht ausreichen, um eine durch das Unwetter verursachte oder verschärfte Notlage aufzufangen. (Härtefälle).

Wer kann die Betroffenen bei der Antragstellung unterstützen?

Die Stadt Rösrath weist auf Folgendes hin: Sollten Sie nicht in der Lage sein, diese Möglichkeiten wahrzunehmen oder unbedingt kurzfristig auf Bargeld angewiesen sein, dann vereinbaren Sie bitte einen Termin über die Hotline 0211 – 4684 4994.

Was ist mit Menschen ohne Elementarversicherung?

Neben der Soforthilfe des Landes bietet die NRW-Bank für Hochwasser-Betroffene Darlehen zur Gebäudesanierung mit Zinssätzen von 0,01 Prozent an. Möglich sind bis zu 75.000 Euro mit einer Laufzeit bis zu 20 Jahren. Voraussetzung: Man bewohnt seine Immobilie selbst (Quelle: WDR – Soforthilfe: Hier können Hochwasser-Betroffene Gelder beantragen).

Die Bundesregierung hat einen Aufbauhilfsfonds in Höhe von 30 Mrd. € eingerichtet. 44% davon sollen auf die Behebung von Schäden an Gebäuden und Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen entfallen. Betroffene Haushalte können in der Regel bis zu 80% des Schadens erstattet bekommen; in Härtefällen sogar bis zu 100% Prozent. Die Hilfen sollen jedoch nicht ausschließlich Haushalten ohne Elementarversicherung zukommen: Versicherte können daher bis maximal 100% ihrer Schäden in Kombination aus ihrer Versicherung und dem Fonds geltend machen (Quelle: Tagesschau vom 1.9.2021).

Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft werden durch den Fonds bei der Finanzierung von Maßnahmen zur Beseitigung unmittelbarer Schäden an Wohngebäuden durch die direkte Einwirkung des Schadensereignisses unterstützt. Dazu zählen unter anderem auch Sachschäden an Gebäuden, Wegen, Garagen und vergleichbaren Stellplätzen sowie Hausrat. Im Falle von Unternehmen der Wohnungswirtschaft oder bei privaten Vermieterinnen und Vermietern können die Schäden auch Mietausfälle bzw. die Verringerung von Mieteinnahmen (Einkommenseinbußen) umfassen (Quelle: Internetseite des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW). Das Land NRW hat eine Internetseite sowie ein Förderportal für die Betroffenen eingerichtet.

Die Aufbauhilfe 2021 für Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, Angehörige der freien Berufe und Selbstständige ging am 17.09. an den Start. Auf der Internetseite der Rheinisch Bergischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft werden antragsberechtigte  über das Verfahren infomiert.

Welche Unterstützung können betroffene Menschen in Anspruch nehmen, die mit der Situation überfordert sind?

Die AWO bietet eine kostenlose psychologische Telefonberatung für Betroffene und Helfende in Hochwassergebieten:

  • Hotline: 0800 296 0000
  • montags bis freitags: 8 bis 22 Uhr
  • samstags und sonntags: 9 bis 16 Uhr

Das Erzbistum Paderborn bietet Flut-Betroffenen eine mehrtägige Auszeit mit kostenfreier Unterkunft in seinen Bildungs- und Jugendhäusern.

Das Land NRW hat ein Servicetelefon eingerichtet, um Betroffene bei der Beantragung von finanziellen Hilfen auf dem Wiederaufbaufonds zu unterstützen. Informationen können auf der Internetseite des zuständigen Ministeriums abgerufen werden. Ein Leitfaden für die Beantragung von Hilfen für für Privathaushalte und Unternehmen der Wohnungswirtschaft wurde ebenfalls bereitgestellt.

Wer kann bei der Planung der Sanierungsaufgaben sachgerechte Tipps geben?

Bezüglich einer möglichen Schädigung der Bausubstanz und der Untersuchung der Bausubstanz gibt es kein Standardverfahren, weil die Gebäude und auch die Schadenfälle zu unterschiedlich sind. Um zuverlässige Erkenntnisse zu erlangen, ist eine individuelle Untersuchung durch einen Bausachverständigen im Einzelfall unerlässlich.

Folgende Kammern und Verbände stellen auf ihren Internetseiten weitere Informationen und Listen zur Verfügung (Quelle: Informationen des RBK für Hochwasser-Betroffene):


Teil 3: Konsequenzen für die Zukunft

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein solches Ereignis wiederholt?

Die endgültige Einstufung des Hochwassers vom 14./15.07.2021 wird jenseits eines HQ100, also einem 100-jährlichen Hochwasser, liegen. Beispielsweise konnte an der Sülz in Rösrath ermittelt werden, dass das Hochwasser offensichtlich in die Kategorie HQextrem (also seltener als 200jährlich) eingestuft werden kann (Quelle: Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021).

Hier können die aktuellen Hochwasserkarten abgerufen werden: Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten des Umweltministeriums NRW.

Wie ist geplant, um die Koordination der verschiedenen beteiligten Akteure zu verbessern?

Der Kreis hat in Abstimmung mit den Kommunen eine kreisweite Starkregengefahrenkarte erstellt. Diese wird den Kommunen und den Bürgerinnen und Bürgern auf dem Geoportal des RBK zur Verfügung gestellt. Hiermit leistet der Kreis einen Service für die Kommunen, auf den die Kommunen aufbauen können und ihre Maßnahmen planen können. Im Umweltausschuss wird dieses Thema mit einer gesonderten Vorlage behandelt (Quelle: Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021).

Ein erster Blick auf die Starkregenkarte des RBK steht zur Verfügung. Bitte nutzen Sie folgendes Passwort für den Login: P2407_SRGK_RBK

Wie wird die Bevölkerung künftig besser und früher gewarnt?

Die Stadtverwaltung Rösrath und der Rheinisch-Bergische-Kreis weisen für zukünftige Warnungen auf die Warn-App NINA des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hin. Darüber hinaus hat der Vorsitzende des Zukunftsausschusses des RKB, Herr Pakendorf (CDU), die Erwartung geäußert, dass künftig frühzeitig über Sirenen gewarnt werde. Weiterhin sei jedoch wichtig und hilfreich, dass entsprechende Warnhinweise auch im Rundfunk (z.B. WDR2) gesendet würden.

Welche Maßnahmen werden oberhalb der Sülz (Nachbarkommunen, Stauanlagen) getroffen?

Noch kein Eintrag vorhanden.

Wie können Überflutungsgebiete innerhalb von Rösrath geschaffen werden?

Im Zukunftsausschuss der Stadt Rösrath wurde am 25.08.2021 einstimmig beschlossen, eine Änderung des Flächennutzungsplanes „Retentionsraum Sülzbogen“ dem Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Verkehr am 30.08.2021 zu empfehlen (siehe: Beschlussvorlage im Ratsinfoservice).

Der gesamte Geltungsbereich der Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) soll dem Hochwasserschutz dienen. Dadurch werden die bisher im FNP als Wohnbaufläche dargestellten Teile zukünftig als Grünfläche mit dem Zusatz „Flächen für die Wasserwirtschaft und Überschwemmungsgebiet“ markiert. Eine bauliche Nutzung dieser Bereiche ist somit aus aktueller Sicht und aufgrund der Hochwasserereignisse nicht vorstellbar oder umsetzbar (Quelle: Beschlussvorlage für den Zukunftsausschuss).

Welche Konsequenzen sollten für Genehmigungen neuer Bauvorhaben gezogen werden?

Aus Sicht des Amtes für Umweltschutz gilt es nun, für die Zukunft die richtigen Lehren aus dem Ereignis zu ziehen. Die Belange des Hochwasserschutzes bzw. insgesamt der Schutz der Gewässer und des Bodens (Flächenverbrauch und -versiegelung, Erosionsgefahr) müssen einen höheren Stellenwert bekommen. Dies gilt sowohl für die Bundes- und Landespolitik als auch für die Bauleitplanung der Kommunalpolitik.

Bei Neuausweisungen von B-Plan-Gebieten in der näheren Umgebung von Gewässern ist es zwingend notwendig, einen ausreichenden Schutzstreifen für Gewässerentwicklung (z.B. Entwicklungskorridor nach „blauer Richtlinie“) und einen schadlosen Hochwasserabfluss vorzusehen, sodass sich Gewässer im Extremfall ausbreiten können, ohne Schäden zu verursachen (Stichwort: klimaangepasste Bauleitplanung). Sicherlich ist auch dieser Schutzstreifen im Einzelfall diskutabel, allerdings nicht vor dem Hintergrund von „mehr Bauland“ sondern lediglich unter dem Aspekt einer fachlich fundierten und unabhängigen Abstimmung unter den Fachbehörden.

In der Bauleitplanung, die der kommunalen Selbstverwaltungsgarantie unterliegt, muss den Stellungnahmen der Fachbehörden in der Abwägung durch die Entscheidungsträger deutlich mehr Gewicht beigemessen werden (Quelle: Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021).

Der Verein Lebenswertes Sülztal fordert einen Baustopp in den vom Hochwasser am 14. und 15.07. betroffenen Gebieten (PDF bei Verein Lebenswertes Sülztal). Die Fraktion ZLR wird einen entsprechenden Antrag in die Sitzung des Stadtrates am 27.09.2021 einbringen. Wir schließen uns hierbei der Ansicht des Vereins Lebenswertes Sülztal an: Das Augenmerk muss u.a auch auf den im Juli überschwemmten Gebieten liegen, die aktuell nicht von der Bezirksregierung als Überschwemmungsgebiet ausgewiesen sind.

Welche Maßnahmen bestehender Flächen im öffentlichen Raum sind im Gespräch?

Noch kein Eintrag vorhanden.

Welche Maßnahmen auf privatem Grund können ergriffen werden?

Bestehende Nutzungen (z.B. Zäune, Ablagerungen, Grundstücksprofilierungen) sollten durch die Grundstückseigentümer dahin gehend überprüft werden, dass den Gewässern auch im Rahmen der Bestandsbebauung maximal möglicher Platz eingeräumt wird.

Gemäß Wasserhaushaltsgesetz (§ 5 Abs. 2) ist jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen. Dies betrifft insbesondere die Nutzung von Grundstücken, um mögliche nachteilige Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen (Quelle: Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021).

Das HochwasserKompetenzCentrum (HKC) bietet zahlreiche Empfehlungen und Hinweise zur Sicherung des Eigentums gegen Hochwasserschäden:

Quelle: https://www.hkc-online.de/Downloads/HSMHKChaus.pdf

Der Hochwasserpass ist ein nützliches Dokument zur Standortanalyse und Bewertung von Privat- und Gewerbe-Immobilien in hochwassergefährdeten Gebieten. Der Inhaber des Hochwasserpasses verfügt über eine fundierte Risikoeinschätzung für sein Haus und erhält Tipps, wie durch Vorsorgemaßnahmen eine Hochwassergefährdung reduziert werden kann. Außerdem dient der Hochwasserpass als Nachweis, in welchem Maße das Gebäude hochwassergefährdet, -gesichert oder -angepasst ist. Auch hilft er bei Verkauf und Vermietung des Gebäudes, da die Risiken für Hochwasser, Rückstau und Starkregen bewertet ausgewiesen sind. Informationen hierzu können auf der Internetseite zum Hochwasser-Pass abgerufen werden.

Darüber hinaus bietet die Internetseite zum Hochwasser-Pass eine Liste von Sachverständigen, die z.B. eine Einschätzung des Objektes in Bezug auf die Gefähdungen Hochwasser, Starkregen und Kanalrückstau oder Ermittlung der Gefährdungsklassen abgeben können.


Teil 4: Umweltschäden und Umweltbelastungen

Gibt es durch das Hochwasser gesundheitsgefährdende Umweltbelastungen?

Laut Bodenschutzbehörde wurden an 13 Verdachtspunkten im RBK im Zeitraum 22. und 23.07.2021 Bodenproben entnommen. Die Bodenprobenahme erfolgte nach den Vorgaben der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Die Analysen ergaben keine Prüfwertüberschreitungen gemäß BBodSchV, des betrachteten Wirkungspfad Boden – Mensch, unter Berücksichtigung der tatsächlichen Nutzung der Untersuchungsflächen (Quelle: Vorlage der Verwaltung des RBK für den Ausschuss für Umwelt und Planung am 20.09.2021).

Durch den RBK wurden diffuse Ölausschwemmungen im Zusammenhang mit dem Hochwasserereignis festgestellt, die aber keinem einzelnen Verursacher zugeordnet werden konnten (s.u. Antwort zur Fa. Remshagen).

Im Gespräch von Anwohnern der Umgebung des Leibnizparks mit Bürgermeisterin Schulze am Samstag, den 21. August, berichtete ein Anwohner, dass er eine private Bodenprobe habe untersuchen lassen. Dabei seien keine erhöhten Werte der Belastung festgestellt worden – insofern deckt sich das mit den bisher veröffentlichten Erkenntnissen.

Allerdings gibt es auch Indizien dafür, dass sich Ablagerungen unterschiedlich stark verteilt haben könnten; in diesem Zusammenhang stellten andere Anwohner subjektiv eine deutlich ungleichmäßige Geruchsbelastung in manchen Bereichen entlang der Sülz fest.

Der Rheinisch-Bergische Kreis weist auf die Möglichkeit hin, Gutachter privat zu beauftragen, um Bodenproben zu entnehmen. Hierfür stellt der RBK eine Gutachterliste zur Verfügung.

In welchem Zeitraum sind bei der Firma Remshagen Schadstoffe freigesetzt worden?

Ein Prokurist der Firma Remshagen hat im Zukunftsausschuss der Stadt Rösrath am 25.08.2021 bestritten, dass vom Firmengelände Schadstoffe freigesetzt wurden. Allerdings seien aus anderen Firmen Öl und andere Substanzen über das Firmengelände in die Sülz geflossen.

Der Verein Lebenswertes Sülztal hatte sich mit Fragen an die Bezirksregierung Köln gewandt und folgende Antwort erhalten (Quelle: Verein Lebenswertes Sülztal):

  • Es fanden risikobasierte Umweltinspektionen 2016, 2019 statt, zudem eine außerordentliche Vor-Ort-Kontrolle am 24.08.2021.
  • Im Antwortschreiben finden sich Links auf Prüfberichte, die im Internet zugänglich gemacht wurden.
  • Ortsfeste Tanks waren gesichert, mobile (leere und gereinigte) Tanks waren nicht hinreichend gegen ein Auf- und Fortschwimmen gesichert.
  • Durch den RBK wurden diffuse Ölausschwemmungen im Zusammenhang mit dem Hochwasserereignis festgestellt, die aber keinem einzelnen Verursacher zugeordnet werden konnten.
  • Da das Gelände überflutet wurde, kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Ölabscheider auf dem Betriebsgelände zu den durch das Hochwasser entstandenen Öl-Verunreinigungen geringfügig beigetragen hat.
  • Die vom RBK genommenen Bodenproben weisen erhebliche Verdünnungseffekte auf. Die gemessenen Schadstoffwerte lagen daher sämtlich unterhalb kritischer Werte.

4 Antworten auf „Hochwasser: Stand der Erkenntnisse (Update vom 19.09.2021)“

Dies ist eine erstklassige Dokumentation. Auch die noch nicht beantworteten Fragen treffen ins Schwarze.
Geschockt hat mich die Aussage, dass überhaupt nicht gesichert ist, dass überhaupt Bodenproben in Rösrath vorgenommen wurden. bei insgesamt 13 Bodenanalysen im gesamten RBK wäre es extrem wichtig, zu wissen, ob, wann und wo in Rösrath getestet wurde. Von der Fa. Remshagen erwarte ich Transparenz. Es geht nicht um eine „Hexenjagd“. Nach Aussage des Prokuristen wissen dort die Profis, was man tue. Dann kann man auch veröffentlichen, was dort gelagert wurde und was nach dem Hochwasser noch vorhanden war. Entsprechend der Homepage der Fa. Remshagen( https://www.remshagen.de/unternehmensprofil/) wurde dort seit 2006 ein Abfall-Zwischenlager betrieben. Vermutet werden darf, dass es sich nicht um Bio-Abfall handelt. Für den Bürger ist es wichtig, zu wissen, welche Rückstände im Boden und Gemäuer vorhanden ist. Es nützt nichts, zu trocknen und zu sanieren und später unter Kopfschmerzen und Allergien leiden zu müssen. Und wenn alles unbedenklich war, kann man erst recht Transparenz herstellen. In diesem Zusammenhang interessiert mich, ob möglicherweise Privatpersonen in Rösrath Labore mit Schadstoffanalysen beauftragt haben. Diese Ergebnisse sollten dann veröffentlicht werden.

Sehr geehrte Frau Karakurt, vielen Dank für das Lob – wir werden hier weiter am Ball bleiben und Antworten zusammentragen.

Zu den privaten Bodenproben: Im Gespräch von Anwohnern der Umgebung des Leibnizparks mit Bürgermeisterin Schulze am Samstag, den 21. August, berichtete ein Anwohner, dass er eine private Bodenprobe habe untersuchen lassen. Dabei seien keine erhöhten Werte der Belastung festgestellt worden – insofern deckt sich das mit den bisher veröffentlichten Erkenntnissen.

Allerdings gibt es auch Indizien dafür, dass sich Ablagerungen unterschiedlich stark verteilt haben könnten; in diesem Zusammenhang stellten andere Anwohner subjektiv eine deutlich ungleichmäßige Geruchsbelastung in manchen Bereichen entlang der Sülz fest.

Wir teilen daher Ihre Ansicht, dass hier noch keine hinreichende Transparenz erreicht wurde.

1. Unter Teil 1 schreiben Sie: „um 19.30 Uhr habe die Feuerwehr Lautsprecherdurchsagen gemacht“. Bitte wo sind diese Durchsagen gemacht worden? Für den Ortsteil Rösrath ist mir keine Durchsage bekannt. Im Weidenauel wurde nach 21 Uhr durch persönliche Ansprache der Feuerwehr evakuiert.
2. Ob und wie stark die Fa. Remshagen zur Kontaminierung des Hochwassers beigetragen hat, wird heftig diskutiert. Bisher nicht angesprochen wurde der Beitrag/Eintrag zur evtl. Kontaminierung durch Fäkalien aller Art, z.B. von der „Hundewiese“ oder durch die konzentrierte Tierhaltung bei „Westernreiten-Rösrath“. Das Wasser von Sülz und Mühlengraben floß über die „Hundewiese“ und über das Gelände von „Westernreiten-Rösrath“ und dem Bogen des Mühlengrabens in Richtung Weide/Weidenauel mit den bekannten Hochwasserfolgen.
Ich möchte wissen, welche Stoffe in welcher Konzentration das Hochwasser mit sich geführt hat, die jetzt im Boden meines Gartens und in den Mauern meines Hauses, sowie angrenzender Spielplätze und Erholungflächen abgelagert sind.
Um eine Aussage zu treffen, sind mehr als 13 Bodenproben für den gesamten RBK erforderlich, auch im Ortsteil Rösrath.

Zu 1.) Wir tragen Informationen aus div. Quellen zusammen. Die Aussage, dass um 19.30 Uhr die Feuerwehr Lautsprecherdurchsagen gemacht habe, stammt aus dem Zukunftsausschuss vom 25.08.2021. Dort hat der Leiter des Fachbereiches 4, Herr Herrmann, über die Abläufe der Tage des 14. und 15.07. aus Sicht der Stadt berichtet. Uns wurde von Bekannten ebenfalls berichtet, dass die Feuerwehr im Weidenauel / In den Schlämmen ab ca. 21.30 Uhr evakuiert habe. Die von Herrn Herrmann berichteten Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr haben wir von anderer Quelle auch noch nicht bestätigt bekommen.
zu 2.) Der Prokurist der Fa. Remshagen hat im Zukunftsausschuss bestätigt, dass über das Firmengelände Schadstoffe in die Sülz geflossen sind (insb. Öl). Seiner Darstellung nach stammten die Schadstoffe aber von anderen Firmen des Geländes. Hieraus ergibt sich u.E. ein konkreter Verdachtsmoment für eine Kontaminierung des Hochwassers im Bereich Lehmbach. Unseres Wissens findet zeitnah ein Gespräch mit der Bürgermeisterin zu div. Themen mit Lehmbacher Bürgerinnen und Bürgern statt. Hier stehen wir mit dem Initiator des Gesprächs im Kontakt. Wir möchten den Zugang nutzen, damit die Verwaltung der Stadt Rösrath mit dem Amt für Umweltschutz und der zuständigen Bodenschutzbehörde Kontakt aufnimmt. Aufgrund eines konkreten Verdachts könnten ggf. Bereiche in Lehmbach und der von Ihnen angesprochenen Hundewiese beprobt werden, um eine Schadstoffbelastung zu ermitteln. In diesem Zusammenhang sollte auch geklärt werden, an welchen 13 Punkten im RBK die Proben der Bodenschutzbehörde genommen wurden. Wir hoffen, dass wir auf diesem Wege zur weiteren Klärung beitragen und unterstützen können.

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